Ein Angebot der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Sächsischer Musikinstrumentenbau

In kaum einer anderen Region kann man eine derartige Vielfalt und Qualität traditionellen Musikinstrumentenbaus erleben wie in Sachsen. Während in anderen Regionen oftmals eine Spezialisierung auf eine bestimmte Art von Musikinstrumenten stattfand, werden in Sachsen nahezu sämtliche Streich-, Zupf-, Holzblas-, Metallblas-, Schlag-, Tasten- und Harmonikainstrumente der europäischen Musik einschließlich Bögen, Bestandteilen und Zubehör gefertigt.

Musikinstrumentenbau Sachsen Werkstatt

Quelle: Danny Otto / Musicon Valley e.V.


Im Musikwinkel wird Materie zu Klang geformt

Im vogtländischen Markneukirchen und Umgebung besteht der traditionelle Musikinstrumentenbau seit rund 350 Jahren, in mehreren Familien bereits in siebenter Generation. Der „Musikwinkel“ Sachsens entwickelte sich nicht nur zum Zentrum des deutschen Orchesterinstrumentenbaus sondern auch zu einem bedeutenden Begriff in der Musikwelt.

Der Ursprung dieser sächs. Handwerkskunst…

…liegt weit zurück. Mitte des 17. Jahrhunderts siedelten sich böhmische Geigenbauer als Glaubensflüchtlinge im heutigen Vogtland an und brachten die Kunst des Geigenbaus nach Markneukirchen. Da der Bergbau in dieser Zeit bereits rückläufig war und die Suche nach neuen Einkunftsquellen begann, entstanden schnell erste Werkstätten für Musikinstrumente. Schon bald produzierten diese nicht mehr auf Bestellung, sondern auf Vorrat.

Von Generation zu Generation…

werden Wissen, Erfahrung und Werkzeuge weitergegeben, um die Qualität des Instrumentenbaus zu sichern. Da die zu verarbeitenden Hölzer teilweise zwischen 20 und 60 Jahren alt sind, kauft der Instrumenten-bauer nicht selten schon das Holz für die nächste Generation. Trotz des Traditionsbewusstsein werden die Instrumente stetig weiterentwickelt. Impulse entstehen vor allem aus der Zusammenarbeit mit Musikern, für die extra Instrumente angefertigt werden.


Musikinstrumentenbau Sachsen Geigen

Fotograf: Frank Fickelscherer-Faßl

Musikinstrumentenbau Sachsen Trompeten Werkstatt

Quelle: Danny Otto / Musicon Valley e.V.


Musikinstrumentenbau heute

Heute wird der traditionelle vogtländische Musikinstrumentenbau von rund 1.300 Handwerkern in mehr als 100 Werkstätten ausgeübt. Das Spektrum reicht von selbstständigen Meistern (mit und ohne Lehrlingen und Gesellen), über Manufakturen bis hin zu mittelständischen Unternehmen.

Die öffentliche Lehre und Ausbildung der Handwerkszunft besteht seit über 150 Jahren. Mittlerweile gibt es auch Meister- oder Fachhochschulausbildungen im Bachelor und Master.

Risiken für den Musikinstrumentenbau stellen vor allem fehlende familiäre Nachfolger und die mangelnde Bereitschaft zur Ausbildung von Lehrlingen in den Handwerksbetrieben dar. Weitere Probleme, zumindest für einzelne Teilbereiche, sind Materialknappheit bzw. Import- und Export-Verbote für bestimmte Rohstoffe.

Musikinstrumentenbau Sachsen Oboe Werkstatt

Quelle: Danny Otto / Musicon Valley e.V.


Miniaturproduktion oder in XXL als Ausdruck handwerklichen Könnens

Im Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen gibt es ein Riesen-Piano-Akkordeon mit 360 Bässen zu bestaunen. Mit einer Größe von über 1,80 m und einem Gewicht von 100 kg wurde es 1938 in Klingenthal für eine englische Tanzgruppe hergestellt. Unter anderem erklang es auch im Kristallpalast in Leipzig und begeisterte die Zuschauer. 1939 wurde ein nachträglicher Einbau eines Gebläsemotors veranlasst, da sich der Balg nur sehr schwer aufziehen lies. Heute ist das Riesen-Piano-Akkordeon leider nicht mehr spielbar,

Musikinstrumentenbau Sachsen Riesen-Piano-Akkordeon

Aufnahme der Artistengruppe Doorlay mit dem
Riesenpianoakkordeon (Foto: Archiv des Musikinstrumenten-Museums Markneukirchen)

da die Tonzungen während des Krieges ausgebaut wurden.

Interessant für den Einsatz in großen Kirchen und Konzertsälen war auch die Herstellung von übergroßen Kontrabässen. Diese hatten zwar keinen tieferen, jedoch einen kräftigeren Klang. Ein 300 Jahre altes Exemplar mit über 2 m Größe ist heute im Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen zu sehen. Eine Zeit lang erklangen die Töne dieses einzigartigen Instrumentes sogar in der Dresdner Frauenkirche.


Das Zusammenspiel von Holz und Klang

Nicht jedes Holz eignet sich für den Bau von Musikinstrumenten. Solches, das sich gut verarbeiten lässt und die nötigen Qualitätskriterien erfüllt, nennt man Klangholz, Tonholz oder Resonanzholz. Vor allem Fichtenklangholz wird zur Herstellung qualitativ hochwertiger Instrumente wie Geigen, Klaviere oder Gitarren verwendet. Das Holz hat einen maßgeblichen Einfluss auf das Klangerlebnis. Denn wer den Tönen einer Geige lauscht, hört nicht die Saiten, sondern die Schwingungen der Holz-Resonanzdecke. Diese muss bei nur geringem Kraftaufwand leicht in Schwingung geraten, jedoch auch dem Druck des Steges widerstehen. Das Holz muss demnach über widersprüchliche Eigenschaften wie Elastizität und Widerstandskraft verfügen.

Der ideale Klangholzstamm muss viele Kriterien erfüllen. Zum einen sollte er möglichst rund und gerade sein und weitestgehend keine Astnarben, Verletzungen und faulen Stellen aufweisen. Zum anderen ist es erforderlich, dass der Stamm mindestens 55 cm dick und das Holz regelmäßig gewachsen ist – also aus gleich breiten Jahrringen besteht. Demnach kann man von einem guten Resultat sprechen, wenn 1% der Fichtenstämme den Anforderungen der Klangholzhändler genügen.

Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen

Fotograf: Frank Fickelscherer-Faßl

Das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen zeichnet sich dadurch aus, dass es die kleinsten, die größten und die meisten Musikinstrumente (3.200 aus aller Welt) ausstellt. Ein Besuch lohnt sich immer.


Wussten Sie, …?

In Sachsen gibt es zahlreiche Erlebniswerkstätten, in denen man erfahrenen Instrumentenbauern über die Schulter schauen kann. Für Orchester, Vereine, Kinder und Jugendliche werden spezielle Reisen angeboten, auf denen man die aufwändige Herstellung der wertvollen Instrumente hautnah erleben kann.