Ein Angebot der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Christbaumkugeln

Christbaumkugeln – Vom Paradiesapfel zur filigranen Kostbarkeit aus Glas

Ausnahmsweise nicht aus Sachsen, sondern aus dem benachbarten Thüringen stammt die Tradition des prächtigen Christbaumschmucks aus Glas. Was heute dem Weihnachtsbaum ein besonders festliches Gewand verleiht, wurde einst aus der Not heraus geboren.

Baumschmuck zum Naschen

Ursprünglich verwendete man zum Schmücken des Weihnachtsbaumes Äpfel, Süßigkeiten, Gebäck und in Silber- oder Goldfolie gewickelte Nüsse. Auch Anhänger oder Ketten aus Papier und Pappe schmückten die Bäume des 18. und 19. Jahrhunderts. Dabei waren die Motive oft wenig weihnachtlich: Lokomotiven, Zeppeline, Spielzeug, Kutschen spiegelten den jeweiligen Zeitgeist wider. Gefertigt wurde der Christbaumschmuck in den Familien natürlich von Hand und meist jedes Jahr neu.

kugeln

Die Geburtsstunde der Christbaumkugel

Vermutlich weil ihm echte Äpfel und Nüsse als Baumschmuck zu teuer waren, kam Überlieferungen zufolge ein armer Glasbläser aus Lauscha im Thüringer Wald im Jahr 1847 auf die Idee, diese einfach aus Glas nachzubilden. Der gläserne Christbaumschmuck war geboren! Bereits im Folgejahr kamen erste Aufträge für „Weihnachtskugeln“ von außerhalb. Schnell verbreitete sich der neue Trend auch weit über Thüringen hinaus. Insbesondere seit dem Export des gläsernen Christbaumschmucks durch den Kaufmann und Gründer der Woolworth-Kaufhauskette Frank Winfield Woolworth in die Vereinigten Staaten erfuhr die Produktion in Lauscha einen großen Schub.

Durch neue Produktionstechniken und Materialien konnte das Sortiment rasch erweitert werden. Glitzernde Kugeln, Engel, Weihnachtsmänner, Sterne und andere Figuren aus hauchdünnem, mundgeblasenem Glas galten bald als vornehmster Christbaumschmuck.

Wussten Sie schon, dass…?

… sich der damals amtierende Bundeskanzler und Zigarrenliebhaber Gerhard Schröder bei seinem Besuch der Lauschaer Glasbläserei über ein ganz besonderes Geschenk freuen konnte? Man überreichte ihm extra für ihn angefertigte Zigarren aus Glas. Die gesündesten, die er jemals bekommen habe, wie er selbst meinte.

Tradition trifft Moderne

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden die Weihnachtskugeln nicht mehr ausschließlich in Lauscha gefertigt. Auch Hersteller aus Böhmen, Polen und Österreich umkämpfen seither den lukrativen Markt mit den filigranen Glaskunstwerken. Doch trotz aller maschinellen Massenproduktion hat man sich in Lauscha ein Stück Ursprünglichkeit bewahrt. Die Techniken des Glasblasens und des Verzierens werden auch heute noch von den einzelnen Glasbläsern und -dekorierern an nachfolgende Generationen weitergegeben.

Die Vielfalt an Formen und Designs ist heute überwältigend. Ob eher schlichte Kugeln, mit und ohne Glitzer und Motiv oder ausgefallene Kreationen, wie schillernde Damen-Pumps, Märchenfiguren oder angesagte Eulen, an Weihnachten strahlen die funkelnden Kostbarkeiten mit den leuchtenden Kinderaugen dann um die Wette.