Ein Angebot der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Ursprünge des Drechselns

Aus einheimischen Hölzern gedrechselte Figuren sind längst zum festen Bestandteil der sächsischen Weihnacht geworden. Denn das Drechseln ist die wohl wichtigste

Handwerkstechnik des Erzgebirges. In vielen kleinen und großen Werkstätten kann man das Summen der Drechsel-bänke und den intensiven Duft des Holzes wahrnehmen.

Doch wer glaubt, dass die Tradition in Sachsen auch ihren Ursprung hat, hat weit gefehlt. Denn das Drechseln gilt als ältestes mechanisches Handwerk der Welt.


Zurück ins dritte Jahrtausend v. Chr.

Entstanden ist die Handwerkskunst im alten Ägypten vor ca. 3500 bis 4000 Jahren. Feuer wurden damals mittels eines Holzstückchens entfacht, welches zwischen den Händen schnell hin- und hergedreht wurde.

Die Menschen kamen auf die Idee, den zum Jagen dienenden Bogen zur Verbesserung dieses Vorgangs einzusetzen und schlangen die Schnur des Bogens um diesen „Feuerquirl“. So entstand der vermutlich erste mechanische Arbeitsgang des Menschen. Zudem war es möglich, den Quirl mit nur einer Hand – durch das Hin- und Herbewegen des Bogens – in schnelle Rotation zu versetzen und mit der anderen Hand Druck auszuüben. Als „Fiedelbohrer“ bezeichnet war das Prinzip der Drehbank damit bereits erfunden. Lediglich die Achse der Rotation musste noch verändert werden: von der Senkrechten in die Horizontale.

fiedelbohrer

Ägypter mit Fiedelbohrer bei der Fertigung eines Stuhles (Malerei im Grab des Rechmire; 2. Hälfte des 15. Jh. v. Chr.), bereitgestellt vom Heimatverein Vetoniana Pfünz

wippdrehbank

Entwurf einer verbesserten Wippdrehbank von Leonardo da Vinci, bereitgestellt vom Heimatverein Vetoniana Pfünz

Der Sprung vom einfacheren Drehen zum Drechseln dauerte indes noch einige Zeit. Wohl auch, da nur wenige Holzarbeiten bis heute erhalten geblieben sind, lassen sich die definitiv ersten Drechselarbeiten um das 7. Jahrhundert v. Chr. einordnen.

Die Arbeitstechnik und die Drehbank selbst wurden nun fortlaufend verbessert. Die Arbeitshaltung wechselte vom Sitzen zum Stehen. Eine Fußwippe spannte Schnur und Bogen und gestattete, zur Arbeit beide Hände frei zu haben. Bedeutende Verbesserungen der Drehbank um das Jahr 1500 werden Leonardo da Vinci zugeschrieben.

Eingesetzt zur Herstellung von Schalen und Zierrat an Möbeln wurde das Drechseln zum „Kunsthandwerk“. In Deutschland kam die Technik in der Region um Nürnberg zur Blüte. Hier wird von einer Vielzahl an „Kunstdrechslern“ berichtet, die weit reisten und ihre Kenntnisse selbst an Fürsten weitergaben.


Das Drechseln im Erzgebirge

Der Werkstoff Holz hatte im Erzgebirge seit dem 12. Jahrhundert eine große Bedeutung. Im Bergbau wurde es in großem Umfang als Grubenholz eingesetzt. Zudem verstanden sich die Menschen im Erzgebirge auf die Herstellung von Arbeitsgeräten aus Holz.

Bedingt durch Kriegsgeschehen und die Erschöpfung der Gruben war der Bergbau ab dem 16. Jahrhundert rückläufig. Der Erzgebirger musste nach Zusatz- oder sogar Ersatzeinkünften suchen. Da die Möglichkeiten nicht allzu vielfältig waren und insbesondere die landwirtschaftliche Nutzung des

Erzgebirges nur eingeschränkt möglich war, kam es zur Intensivierung der Holzbearbeitung. Während im Westerzgebirge das Schnitzen zur Blüte kam, wurde im mittleren Erzgebirge um die Orte Seiffen und Marienberg das Drechseln zur wichtigen Erwerbsquelle.

Für das 17. Jahrhundert ist das Vorhandensein von Teller- und Spindeldrehern überliefert. Die Herstellung von Gebrauchsgegenständen wurde jedoch bald durch die Produktion von Spielzeug und Dekorationsartikeln ergänzt. So entstanden gedrechselte Figuren wie Puppen, Engel und Bergmänner, aber auch die einzigartige Technik des Reifendrehens zur Herstellung von Holztieren.

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handgedrechselte Einzelstücke von Köhler Kunsthandwerk aus Eppendorf