Sächsische Mundart

Wer über die hiesigen Weihnachtsmärkte schlendert, dem wird sie allerorts begegnen: die sächsische Mundart. Allem komödiantischen Missbrauch zum Trotz, sprechen viele Sachsen ihren Dialekt mit Stolz. Was macht diesen Dialekt so besonders und beliebt? Und was bedeutet die kürzeste aller Fragen: „Norr?“ Folgen Sie uns auf einen kleinen Streifzug durch die sächsische Sprachgeschichte.

Hier wird Sächs’sch gesprochen

Eines vorweg: Den allgemein als „Sächsisch“ wahrgenommenen Dialekt, welcher oft gleich mit ganz Ostdeutschland assoziiert wird, gibt es nicht – zumindest, wenn man es sprachwissenschaftlich genau nimmt. Glaubt man den Sprachexperten, muss von „Meißenisch“ gesprochen werden. Die Verbreitung dieses Dialekts entspricht im Wesentlichen dem ehemaligen Gebiet der Gemarkung Meißen. Angrenzend geht es ins Thüringische, Vogtländische und Erzgebirgische über.

Typisch Sächsisch?

Auch wenn es zwischen den einzelnen Regionen Sachsens teils starke Unterschiede gibt, erkennt man einen Sachsen meist sofort an seiner charakteristischen Aussprache. Als typisch „Sächsisch“ angesehen werden kann in diesem Zusammenhang die Verwendung weicher Buchstaben anstelle von harten Buchstaben, zum Beispiel „g“ statt „k“ oder „d“ statt „t“. Den Leipzigern wird gern nachgesagt, bei ihnen würden ‚de Gardoffeln de Gellerdrebbe nunner gullern‘.

Außerdem verwendet man hierzulande sehr gern die Partikel „…nicht wahr/ nicht wahr nicht?“ und die meist in zusammengeschrumpfter Form „…norr/ norr ni?“. Auch der eigentümliche Betonung und Satzmelodie (der sächsische „Singsang“) wird von Comedians gern und oft parodiert. Dabei brauchen sich die Sachsen sprachlich keineswegs zu verstecken! Liegt doch im „Meißner Kanzleideutsch“, das Martin Luthers Schriftsprache war, gepaart mit mittelhochdeutschem Wortgut die Grundlage für unsere heute gebräuchliche hochdeutsche Sprache.

Dr Abbel und de Nuss

Ä Abbel hing am Weihnachtsboom
un dachte in sein Griebse:
de goldche Nuss am Zweich da ohm,
das wär mei Fall. Ich liebse.
De gleene Nuss war ihrerseits
däm Äbbel och gewoochen.
un so hat jeder dorch sein Reiz
dn andern angezoochen.
Se dreimten beede vor sich hin
un winschten bloß das eene:
ämal im gleichen Maachen drin
zu schdärm. Ach wär das scheene.
( Lene Voigt, sächsische Mundartdichterin )

Oh Arzgebirg, wie bist du schie!

Eine Sonderstellung im Sprachgebrauch nimmt zweifelsohne das Erzgebirge ein. Um es mit einfachen Worten auszudrücken: Wer nicht gerade einen waschechten Erzgebirgler in seinem Umfeld hat, wird vermutlich nur wenig verstehen. Kleine Kostprobe?
„E schiins Dleedl had dii aa.“ (Ein schönes Kleidchen hat sie an.)
„Miir sei gasdern af der Keerms gangng“ (Wir sind gestern auf das Volksfest gegangen.)

Außer der typisch erzgebirgischen Aussprache gemeinsprachlicher Wörter gibt es natürlich zahlreiche speziell in dieser Region verbreitete Wörter. Hier einige Beispiele:

Erzgebirgisch Bedeutung
Aaziizeich Kleidung
Hiidrabradl Serviertablett
Runksn großes Brotstück oder dicke Brotscheibe
schlurksn schlurfend gehen
vrhunebibln verunstalten
enuseja nun, so, deshalb
zamnamsch sparsam

 

Wer auf den Geschmack gekommen ist und noch mehr erzgebirgische Weisen kennenlernen möchte, der wird unter anderem im erzgebirgischen Online-Wörterbuch fündig: www.erzgebirgsch.de