Weihnachtspyramide

Die Weihnachtspyramide – Besinnlichkeit und Lichterglanz

Erzgebirgische Weihnachtspyramiden bringen in der Vorweihnachtszeit eine ganz besondere Gemütlichkeit in hiesige Wohnzimmer. Das warme Licht der Kerzen, das sanfte Drehen des Flügelrades und die Schattenspiele an der Zimmerdecke bringen Ruhe in den Alltag. Von klein und schlicht bis groß und opulent: Als Meisterwerke der Erzgebirgischen Holzkunst verzaubern Weihnachtspyramiden Alt und Jung.

Licht ins Dunkel gebracht

Der Ursprung der Weihnachtspyramide reicht zeitlich weit zurück. Bereits im Mittelalter hingen die Menschen in Süd- und Westeuropa immergrüne Zweige ins Haus, um sich während der Wintermonate vor Unheil und Krankheit zu schützen, aber auch als Zeichen der Hoffnung auf den Frühling. In anderen Gegenden erhellte man die dunkle Jahreszeit dagegen mithilfe von Licht. Beide Bräuche vereinten sich im 18. Jahrhundert in den ersten Lichtergestellen, die mancherorts den Innenraum von Kirchen zierten. Diese Gestelle waren meist pyramidenförmige Lattengerüste, die teils mit Grünzweigen umwunden und mit zahlreichen Kerzen bestückt wurden.

Große Weihnachtspyramide der Oederaner Schnitzer und Bastler. Bildquelle: Klein-Erzgebirge e. V.

Große Weihnachtspyramide der Oederaner Schnitzer und Bastler.
Bildquelle: Klein-Erzgebirge e. V.

Eine neue Tradition beginnt

Im Erzgebirge fühlte man sich durch die spezielle Form der Lichtergestelle an die traditionellen Förderanlagen des frühen Bergbaus, die sogenannten Göpel, erinnert. Man füllte die leeren Gestelle bald mit handgeschnitzten Figuren und ergänzte ein Flügelrad. Die Lichter und später erfundenen Stearinkerzen sorgten mit ihrer aufsteigenden Wärme für den Antrieb.

Zu Beginn der gewerbsmäßigen Fertigung waren die kunstvollen Pyramiden meist Einzelanfertigungen und – besonders zu Zeiten der DDR – nur durch gute Beziehungen zu bekommen: ein- oder mehrstöckig, im orientalischen oder gothischen Stil, mit weltlichen oder christlichen Figuren bestückt.

Heute gehört für die meisten Familien in Sachsen die Pyramide so selbstverständlich zu Weihnachten wie Plätzchen, Christbaum und Gänsebraten. Aber die Moderne macht natürlich vor der Tradition keinen Halt. Formen und Farbgebung wurden weiterentwickelt. Mittlerweile geht der Trend hin zu schlichteren Formen. Und wer es eher praktisch mag, der bekommt sogar Pyramiden mit Teelichthaltern zu kaufen.

Lichterglanz auf Plätzen und Straßen

Wie im Kleinen, so im Großen. In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts begannen Großpyramiden die Städte und Marktplätze im Erzgebirge zu erobern. Die meisten von ihnen werden nur zur Weihnachtszeit aufgebaut. Die Inbetriebnahme wird bei Glühwein und Weihnachtsliedern oft festlich begangen. Das gemeinsame „Pyramide anschieben“ ist vielerorts ein beliebter Höhepunkt der Adventszeit.

Auch außerhalb des Erzgebirges verleihen einige Großpyramiden den Marktplätzen weihnachtlichen Glanz. Nicht immer stammen diese aus ihrem Mutterland. Auch ortsansässige Handwerker aus Thüringen, Bayern oder Sachsen-Anhalt verstehen sich heute auf das Fertigen der großen Holzkunstwerke. Die hierbei verwendeten Figuren haben meist regionalen Bezug.