Ein Angebot der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Nussknacker

Auf dem Weihnachtsmarkt, in kleinen und großen Holzkunstwerkstätten und in jeder festlich geschmückten Weihnachtsstube ist er zuhause: der erzgebirgische Nussknacker. Die wohl jedem aus seiner Kindheit bekannte Figur ist seit fast 150 Jahren fester Bestandteil der weihnachtlichen Dekoration in Sachsen.

Heute ist er für viele Menschen ein begehrtes Sammlerstück und ein ganz besonderes Symbol der Weihnachtszeit. Für alle Fans dieses Kultobjektes gibt es im Nussknackermuseum in Neuhausen viele Exemplare zu bestaunen. Neben 6000 Ausstellungsstücken zieht auch der weltweit größte Nussknacker jedes Jahr zahlreiche Besucher an.


Die Geburtsstunde des Nussknackers

Die Geschichte des Nussknackers reicht bis in die Antike zurück, als der Philosoph Aristoteles verkündete, dass sich das Hebel-Prinzip zum Nüsseknacken bestens eignen würde. In der Zeit um 300 v. Chr. wurde in Tarent (Italien) bereits ein gegeneinander bewegliches Händepaar aus Bronze zum Nüsseknacken verwendet.

Die Herstellung des Nussknackers in der heute bekannten Form ist allerdings eher aus einer Notsituation heraus entstanden. Als im Erzgebirge die Silberminen zunehmend ausgebeutet waren und der Bergbau allein die

finanzielle Absicherung der Familien nicht mehr gewährleisten konnte, mussten Alternativen gefunden werden. Viele ehemalige Bergarbeiter und Handwerker aus der Region sattelten um: zum Kunsthandwerker. Sie begannen, neben den anderen weltweit berühmten Traditionsobjekten erzgebirgischer Volkskunst, auch Nussknacker herzustellen. Durch die Technik des Drechselns konnten schnell größere Mengen zu erschwinglichen Preisen produziert werden.

So erlangte der Nussknacker langsam Bekanntheit, auch über die sächsischen

Grenzen hinaus. Spätestens seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Herstellung im Spielzeugdorf Seiffen tief verwurzelt. Die Darstellung des Nussknackers geht traditionell auf Vertreter der Obrigkeit zurück. Beliebt waren vor allem Figuren wie Soldaten, Gendarme oder Könige. Heute gibt es den Nussknacker auch in Gestalt verschiedenster anderer Berufsbilder.

Für die Herstellung wird vorwiegend Fichten- und Buchenholz verarbeitet. Weitere Materialien wie Fell, Borsten, Leder, Stoff oder Schnüre dienen zur Dekoration.


Verbreitung

Die literarische Verbreitung der Nussknacker-Idee begann 1816 mit dem Weihnachtsmärchen „Nussknacker und Mausekönig“ des Autors E. T. A. Hoffmann. Fast 75 Jahre später wurde das Ballett „Der Nussknacker“ von Tschaikowsky uraufgeführt, welches auch heute noch vor allem zur Weihnachtszeit zahlreiche Theater und Opernhäusern mit Besuchern füllt.

Besonders das Ballett hat wesentlich zur Bekanntheit des Nussknackers beigetragen und dazu geführt, dass vor allem auch außerhalb Deutschlands seit Mitte des 20. Jahrhunderts viele Liebhaber begannen, die Figur in allen möglichen Variationen zu sammeln.

Auch der originelle Nussknacker aus dem sächsischen Erzgebirge ist zu einem begehrten Sammlerstück geworden und weltweit der wohl bekannteste Vertreter der erzgebirgischen Volkskunst.


König Nussknacker und der arme Reinhold

Als Erfinder der heute bekannten Form des Nussknackers gilt der erzgebirgische Kunsthandwerker Friedrich Wilhelm Füchtner. Er drechselte 1870 ein Exemplar, dessen figürliche Darstellung dem Bilderbuch mit dem Titel „König Nussknacker und der arme Reinhold“ entsprach. Das Buch erzählt die rührende Geschichte von einem kranken Jungen aus ärmlichen Verhältnissen, der zur Weihnachtszeit davon träumt, wie er von einem Nussknacker durch eine wundersame Spielzeugwelt geführt wird. Als der Junge am nächsten Morgen aufwacht, findet er die Spielsachen aus seinem Traum unter dem Weihnachtsbaum wieder und wird gesund. Die Geschichte stellt zum ersten Mal einen direkten Bezug zwischen dem figürlichen Nussknacker und der Weihnachtszeit her.


Nussknackermuseum in Neuhausen

Der größte Nussknacker der Welt ist mit seinen 10,10 m im Neuhausener Nussknackermuseum im Erzgebirge zu bestaunen. Neben Ritter Borso von Riesenburg werden noch über 6000 weitere Exemplare aus über 30 Ländern und vier Jahrhunderten im Museum ausgestellt.

Das Museum verzeichnet weiterhin einige Guinnesbucheinträge. 1993 wurden es für den größten funktionstüchtigen Nussknacker der Welt ausgezeichnet und zuletzt 2008 für ein noch größeres Exemplar. Außerdem hat das Museum in Neuhausen auch einen Eintrag für die weltweit größte Nussknackersammlung erhalten.

Über das Jahr verteilt werden regelmäßig Veranstaltungen angeboten, unter anderem die feierliche Krönung der neuen Nussknackerprinzessin. Natürlich gibt es auch ein jährliches Nussknackersammlertreffen, an dem sich Besucher aus der ganzen Welt erfreuen und ihre wertvollsten Stücke präsentieren können.

Wussten Sie, …?

Ursprünglich wurden die bunt gestalteten Figuren mit dem grimmigen Gesichtsausdruck Nussbeißer genannt. Mit den heutigen Nussknackern aus dem Erzgebirge sollten jedoch lieber keine Versuche unternommen werden, Nüsse zu knacken. Sie dienen eher als Spielzeug und Dekorationsobjekt.