Ein Angebot der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Sorbische Weihnacht

Das westslawische Volk der Sorben ist als nationale Minderheit sowohl im Freistaat Sachsen als auch im benachbarten Brandenburg beheimatet. Gäbe es einen sorbischen Staat, wäre er nicht größer als eine typisch deutsche Kleinstadt.

Rund 60.000 Sorben leben in Deutschland, davon etwa 20.000 Niedersorben in der brandenburgischen Niederlausitz und 40.000 Obersorben in der sächsischen Oberlausitz zwischen Kamenz / Kamjenc, Bautzen / Budyšin, Weißwasser / Běła Woda und Hoyerswerda / Wojerecy.

Die Sorben haben neben ihrer Sprache eine eigene Kultur, die sowohl in den Familien, als auch in verschiedenen Vereinen, kirchlichen Gemeinschaften und Einrichtungen gepflegt wird.

So sind sorbisches Brauchtum und Volkskunst auch heute noch fester Bestandteil des Lebens der Sorben. Viele der Traditionen sind eng an den Jahreskreis der kirchlichen Feiertage gebunden.

Die in Sachsen lebenden Sorben pflegen seit langer Zeit ganz besondere weihnachtliche Traditionen, die in der Region auch heute noch alljährlich zelebriert und von Besuchern hautnah erlebt werden können.


Die Sorbische Weihnacht in Schleife

Weihnachten ohne Weihnachtsmann – in der sorbisch geprägten Region spielt das Christkind (bóźe dźěčatko) eine ganz bedeutende Rolle. Zur Adventszeit kommt es in die Dörfer des Schleifer Kirchspiels und besucht die kleinen, großen, jungen und alten Dorfbewohner.

Den Kindern bringt das Christkind nicht die großen Geschenke, sondern streichelt sie dreimal mit dem Handrücken, was Gesundheit und Glück für das kommende Jahr verspricht. Dazu verteilt es kleine Gaben wie Nüsse, Äpfel und Pfefferkuchen.

Wie erkennt man das Christkind?

Jedes Dorf ist durch eine ganz besondere Chistkindtracht gekennzeichnet – die Trachten können anhand zahlreicher Detail voneinander unterschieden werden. So trägt das Christkind in Schleife eine ganz besondere Variante der Schleifer Tracht.

Man erkennt es an der blauen Schleife, die es 1918 bei der ersten Friedensweihnacht nach dem I. Weltkrieg, bei der Einsegnung in der Schleifer Kirche, vom damaligen Pfarrer Handrik angesteckt bekommen hat.

Weil das junge Mädchen, welches im jeweiligen Jahr „als Christkind geht” nicht erkannt werden soll, wird sein Gesicht verschleiert und es trägt Handschuhe.


Das Christkind hat zur Adventszeit alle Hände voll zu tun

Immer am 1. Advent wird das Schleifer Christkind in der hiesigen Kirche eingesegnet. Angekleidet wird es hierfür während einer ungefähr zwei- bis drei-stündigen Zeremonie im Sorbischen Kulturzentrum, bis alle Schleifen, Bänder und der aufwendige Kopfputz richtig sitzen. Da das Christkind der Sage nach die Ortsgrenze nicht überschreiten darf, beschert jedes nur in seinem eigenen

Dorf. Begleitet wird das Schleifer Christkind von zwei Mädchen in Schleifer Ausgangstracht (mit Blaudruckschürze und Jacke). Eines trägt die Laterne und das andere einen Korb mit kleinen Naschereien.

Am Nikolaustag werden sowohl die Kinder im Schleifer Kindergarten und in der Grundschule, als auch die Senioren des Ortes besucht.

Am 2. Adventssonntag kann man dann dem Christkind und seinen Begleiterinnen ab 15:00 Uhr auf dem Schleifer Weihnachtsmarkt begegnen. Sein Kommen kündigt es mit dem Läuten einer kleinen hellen Glocke an.

Wem es dann dreimal über die Wange streicht, der bleibt der Sage nach im kommenden Jahr gesund.


Wussten Sie?…

Das Christkind legt älteren Menschen auch seine aus Birke und Ginster gebundene Lebensrute auf die linke Schulter auf.

Die Zeremonie symbolisiert ebenfalls Gesundheit für das nächste Jahr.