Ein Angebot der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Spanbaumstechen

Das bekannteste Produkt des Holzstechens

Spanbäume sind ein fester Bestandteil sächsischer Weihnacht und von Liebhabern in aller Welt begehrt. Das Spanbaumstechen, in dessen Prozess die bekannten Spanbäume hergestellt werden, gehört seit über 100 Jahren zu den weihnachtlichen Traditionen im Erzgebirge.

Die in feiner Handarbeit hergestellten Bäume aus Holz faszinieren die Menschen vor allem durch ihre zart aufgerollten, einzigartigen Locken.

Der Spanbaum besteht aus zwei Teilen – dem konisch gedrechselten Baumrohling und einem Holzfuß, der dem außergewöhnlichen Kunstwerk sicheren Stand verleiht.

Hergestellt wird er in unterschiedlichen Größen (5 bis 100 cm) und dient hauptsächlich als weihnachtlich-dekoratives Element für Schwibbögen, Pyramiden, Miniaturlandschaften oder den Weihnachtsbaum.

In Sachsen ist der Spanbaum jedoch auch ganzjährig als Fensterdekoration oder in Gaststätten gern gesehen.


Zur Entstehung der Tradition des Spanbaumstechens – Not macht erfinderisch…

Der Ursprung der Spanbäume liegt im Bergbau. Bevor Dynamit zum Einsatz kam, lockerten die Bergmänner das Gestein mit Feuer und Wasser. Um diese Hitze erzeugen zu können, wurde das Holz angespant. Dies war die Geburtsstunde des ersten, zugegebenermaßen nur pragmatischen Zwecken dienenden, Spanbaumes.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte der Zinnabbau dann seinen Höhepunkt. Mit der Arbeit im Erzbergbau verdienten sich die Familien ihren Lebensunterhalt.

Mit dessen Niedergang und der Schließung zahlreicher Bergwerke standen viele Bewohner des Erzgebirges plötzlich vor dem Nichts. Eine alternative Erwerbsquelle war jedoch schnell gefunden:

Die Region spezialisierte sich auf die Fertigung von “Seiffener Ware”. Das waren damals vor allem verschiedene Spielzeuge, aber auch Gebrauchsgegenstände aus Holz.

Denn als Rohstoff war dieser in den unendlich erscheinenden Wäldern des Erzgebirges ausreichend vorhanden und das Schnitzen und Drechseln bereits zuvor ein zweites Standbein in schweren Zeiten gewesen.

Heute ist das Spanbaumstechen zu einer festen Tradition geworden, die weit über die sächsische Landesgrenze hinaus Bekanntheit erlangt hat. Sie steht in enger Verbindung zur erzgebirgischen Weihnacht und ist aus Sachsen nicht mehr wegzudenken.


Wie sich die Späne kringeln…

…mit handwerklichem Geschick und Handarbeit zum einzigartigen Spanbaum

Die Kunst des Spanbaumstechens besteht zuallererst in der sorgfältigen Auswahl des Materials. Nur erlesenes, geradlinig gewachsenes Lindenholz eignet sich für diesen Prozess, da es sehr dicht gemasert und elastisch ist.

In einem ersten Arbeitsschritt wird der ausgewählte Rohstoff gedrechselt. Dabei arbeitet der Spanbaumstecher einen konischen Rohlings sowie einen schmalen Fuß heraus. Der Rohling wird anschließend in einen Schraubstock eingespannt.

Mithilfe eines Stemmeisens hebt der Kunsthandwerker nun Stück für Stück feine 1-2 mm dünne Späne ab, die sich nach oben einrollen und wie kleine Locken an den Rohling anlegen. Dafür wird das Stemmeisen kurz unterhalb des oberen Endes angesetzt, in das Holz gestochen und Richtung Spitze geführt.

Dieser Schritt wird rund um den Rohling so oft wiederholt, bis die Spitze erreicht ist und sich die kleinen Locken alle nacheinander aufgereiht haben. Je nach Größe des Baumes werden bis zu 300 Locken vom Stamm abgelöst.

Zum Schluss werden die einzelnen Späne mit einer größeren Nadel und viel Fingerspitzengefühl noch in Form gebracht.

Die Kunst des Spanbaumstechens besteht vor allem darin, das Stemmeisen sehr gleichmäßig über den Rohling zu schieben, sodass die dabei entstehenden zarten und kunstvoll geschwungenen Holzspäne nicht abbrechen und einheitlich sind. Damit die Späne nicht so schnell abbrechen, wird das Lindenholz vor der Verarbeitung mit Wasser angefeuchtet und zum langsamen Trocknen in einem Plastikbeutel gelagert.


Das Erlernen der Handwerkskunst erfordert Leidenschaft, Kraft und Geduld

Um aus einem klobigen Stück Holz die einzigartigen Spanbäume entstehen zu lassen, braucht es viel handwerkliches Geschick, ein Gespür für Ästhetik und Formen sowie eine solide Ausbildung. Überregional bekannt für seine riesige Auswahl an kunsthandwerklichen Erzeugnissen ist der Erzgebirgsort Seiffen. Hier befindet sich auch Deutschlands einzige Schule, die eine Ausbildung zum Holzspielmacher anbietet. Jedes Jahr gibt es nur wenige Plätze. Die Auszubildenden kommen vor allem direkt aus dem Erzgebirge und teilweise sogar aus anderen Ländern. Neben der traditionellen Handwerkskunst des Spanbaumstechens erlernen sie auch das Schnitzen und Drechseln.


Die Herstellung eines Spanbaumes in der Seiffener Volkskunst eG